»Wer meine Gedichte liest, kann den Klang meiner Seele hören.«

Das milde Feuer
Ich pflanzt’ ein mildes Feuer
aus Lilien gelb und rot.
Es war mir lieb und teuer,
was sich meinem Auge bot.
Ich wollt’ das Feuer hüten,
ließ reichlich Wasser sprühen,
doch es welkten alle Blüten,
vergeblich meine Mühen.
Da schloss ich das milde Feuer
in meine Seele ein,
mal lodert ’s ungeheuer,
mal ist die Flamme klein.
Denk ich an dich,
brennt ’s lichterloh,
doch ungezügelt wüten lass ich ’s nicht,
sonst wird keiner seines Lebens froh.
Mein kleiner blauer Planet
Mein kleiner blauer Planet
rast herum von früh bis spät.
So lange Gegenkräfte wiegen,
wird er weiter fliegen.
Zuweilen kreuzt er meine Bahn,
ich drück ihn an mein Herz heran,
nur für einen Augenblick,
denn er muss in seine Spur zurück.
Sein innres Feuer und sein äußeres Flair
beigeistern mich so sehr,
dass ich ihn innig liebe,
auf dass er immer bei mir bliebe.
So will ich mit ihm vereint die Sonn’ umkreisen
und glücklich durch den Äther reisen.
Warum ich ihn erwähle?
Er hat eine zauberhafte Seele.
Der Komet
Ein Komet, tief aus dem All,
rauscht bis zum Erdenball.
Seine Schönheit wundersam,
dass ich nicht zu Schlafe kam.
Immer näher, mächtiger,
seine Aura prächtiger,
zieht er an mir vorbei,
als ob es so gefüget sei.
Ein Glück ist’s, ihn zu sehen,
denn tausend Jahre gehen,
eh er wiederkehrt,
für die Wissenschaft von großem Wert.
Niemand kann ihn halten,
weil starke Kräfte walten,
doch er, stumm und taub,
hinterlässt mir Sternenstaub.
Nun darf ich raten,
wie ist das Leben auf die Erd’ geraten:
aus seiner Hinterlassenschaft
oder doch aus eigener Kraft?
Pink
Mein Herz schlägt pink.
Wie das zuging?
Eher wär es blau
von einer edlen Frau.
Ich sehe rote Pferde
auf blauer Erde,
Eier legende Hasen
auf buntem Rasen.
Ich schieb die Erde weiter in den Raum hinaus
und schalte so den Klimawandel aus.
Der Menschheit verordne ich Generalverstand,
damit sie handelt Hand in Hand.
Real existiert das alles nie,
ich erlebe es in meiner Fantasie.
Mein Herz gibt mir den Wink:
Die Fantasie ist pink!
Die Quintessenz
Du warst ein Heißsporn
und drängtest nach vorn,
sprangst über Zäune,
gewannst neue Räume.
So hattest du es weit gebracht,
wurdest zum großen Boss über Nacht.
Mögen sie dich loben,
du bleibst nicht oben.
Ein formaler Fehler mitunter,
und du musst herunter.
Das Urteil über deine Bahn:
Was hast du für die Menschen getan?
Spätentwickler
Im Herbst, schon spät,
blüht eine einzige Rose im Beet,
verströmt ihren süßen Duft
in herber, modriger Luft.
Sie erinnert an des Sommers Glanz,
an ein Rosenbeet voll Eleganz.
Im Grün verborgen
sammelte sie Kraft für morgen.
Oh Mensch, besinne dich
zu starten!
Du solltest nicht
auf den Frühling warten.
Die Blumenwiese
Die Menschen gleichen den Blumen auf der Wiese,
aber auch Disteln wachsen dort bald.
Wenn der Bauer alles der Natur überließe,
würde die Wiese zum Wald.
Mögen die Disteln den Tieren nützlich sein,
den Hasen, Schmetterlingen und Hummeln,
der Bauer verbannt sie auf den Wiesenrain.
Dort kann sich das Getier verstecken und tummeln.
Die Gesellschaft hat keinen Wiesenrain,
aber Diebe, Betrüger und Verbrecher.
Was macht sie mit ihren Disteleien?
Sie sperrt sie in sichere Gemächer.
Mann kann die Gene manipulieren,
es werden Disteln zu saftigen Kräutern.
Man sollte die Ganoven therapieren,
um ihren Charakter zu läutern.
Der reiselustige Regenwurm
Ein Regenwurm aus Bielefeld
wollte in die weite Welt.
Er kroch in den Kompost,
und ab ging’s Richtung Ost.
Im Brandenburger Land
grub er sich in den Sand.
Zum schrecklichen Verdruss
kein Krümel Humus!
Er glaubt sich schon verloren,
denn er musste ständig bohren.
Entkräftet, verzweifelt, fast schon im Wahn
fällt er in einen Kahn.
An der Alster fand er sich wieder,
streckte seine klammen Glieder,
robbte an den Strand,
unerkannt!
Vor einem Angler musst’ er sich verstecken,
der wollte ihn an den Haken stecken.
Er floh ins Alte Land,
wo er eine neue Heimat fand.
Dort lebt er unter einem Apfelbaum
und fühlt sich wie im Traum.
Wäre da nicht der Maulwurf, dieser Lümmel,
wähnte er sich fast im Himmel.
Schluss mit dem Kapitalismus
Kaum war Pabst Benedikt
übermüdet eingenickt,
macht sein Adlatus, Pater Hieronymus,
Schluss mit dem Kapitalismus.
Er dekretiert die großen Vermögen zu Kircheneigentum.
Es zu mehren, sei zu Gottes Ruhm.
Die Manager wandelt er zu Messdienern,
die Politiker lässt er die Kirchen wienern.
Jeder kann auf Chipkarten
das zum Leben Notwendige erwarten.
Die Reichen hört man toben,
die Armen den Pater loben.
Aus ist’s mit Rauschgift, Freudenhaus und Alkohol.
Die Abstinenzler sind des Lobes voll.
Ohne Geld.
verkümmern die Geißeln dieser Welt.
Als der Pontifex erwacht,
ruft er: Hieronymus, was hast du da gemacht?
Der Himmel ist mit keuschen Seelen voll,
die Hölle ohne Sünder leer,
wo nimmt der Herr die Arbeit für die Teufel her?
Know how
Nicht allein das Geld macht dich reich,
das Wissen tut’s ihm gleich.
Willst du klug sein,
wandle dein Geld in Wissen ein!
Wer gescheit ist,
bleibt auf dem Geld nicht hocken
und wartet nicht,
bis seine Erben frohlocken.
Das Geld labt sich im Wandel.
Gib acht bei jedem Handel!
Dein Wissen kannst du spendieren,
ohne zu verlieren.
Wer gierig nach dem Gelde rennt,
merkt nicht, wie schnell es oft verbrennt.
Hast du dein Geld im Wissen verborgen,
musst du nicht um deine Zukunft sorgen.
Im Netz
Manch einer hat sich ein Netz gespannt
und sich darin verrannt.
Er findet nicht heraus,
gefangen im eigenen Haus.
Lass ihn darin nicht hocken!
Versuch, ihn heraus zu locken,
schneid ihm den Rückweg ab,
sonst geht’s bergab.
Zerstöre die Fäden, an denen er klebt,
damit sich sein Geist erhebt!
Füttere ihn mit dem Wunder des Lebens,
sonst ist deine Mühe vergebens.
Erste Pflicht
Jeder kann seine Zeit vergeuden,
so gut er es vermag.
Er hört die Glocken läuten,
nutzlos vergangen ist der Tag.
Das Leben vertrödeln aber darf er nicht,
das wäre ein Verlust.
Sinnvolles Tun ist erste Pflicht.
Sei er sich dessen stets bewusst!
Trau, schau, wem?
Wenn dein Herz voll ist
und dein Mund überfließt,
schau dir den an,
den du übergießt,
damit er nicht am Ende
es gegen dich verwende!
Das Angebot
Rosa erhielt ein Angebot,
das färbte ihre Wangen rot.
Sie überlegte hin und her,
doch die Entscheidung fiel ihr schwer.
Rosa ist Familienoma
mit selbstbewusstem Aroma
und sorgt sich um Kinder und Enkel.
Nun noch ein neuer Mann!
Wer hat ihr das angetan?
Ohne Erleuchtung stürmt sie aus dem Dom.
Moment, wie war das denn im alten Rom?
Die alten Römerinnen starben jung an Jahren
und konnten kein Zweitgebot erfahren.
Hätt’s ihnen einer angetragen,
was würden sie wohl sagen?
Probier’s aus
oder halt dich raus!
Rosa hielt sich zurück,
das brachte ihr kein Glück.
Kinder und Enkel flogen aus.
Sie sitzt allein im Haus.
Wer es vermag,
der richt’s so ein,
dass er am Ende nicht allein.
Der Egoist
Ich, ich, ich!
Ist das nicht fürchterlich?
Ich will leben auf Kosten der Anderen.
Mögen sie doch in den Orkus wandern!
Ich raffe alles zusamm,
wuchere, verschwende, genieße, so gut ich kann.
Was kümmern mich Menschen in Not?
Ich kenne kein Gebot.
Ich bekomme nie genug.
Was soll der soziale Spuk?
Ich gehör zu den Reichen
und will die Spitze erreichen.
Doch, schrankenloser Egoist, bedenke:
Irgendwann geht dein Leben zu Ende.
Der Herr wird dich fragen,
was hast du zum Gedeihen der Menschheit beigetragen?
Nichts! Ich habe die Welt ruiniert,
genommen, was anderen gebührt.
Ich lebte in verschwenderischer Völle.
Na, dann fahr doch zur Hölle!
Das Recht
Wenn einer brüllt,
sich in Unfehlbarkeit hüllt,
kürt er nichts zu Recht,
was faulig und schlecht.
Wenn das Recht regiert,
Gerechtigkeit und Fortschritt gebiert,
geht es leise zu.
Der Gewinner bist du.
Nur: Was ist Recht?
Ist es der Wille der herrschenden Klasse
oder das Verlangen der grauen Masse?
Heut hat das Recht seine Zähler.
Ist es die Stimme der Mehrheit der Wähler?
Auch damit bist du nicht zufrieden.
Was soll es denn sein hienieden?
Die leise Stimme der Zukunft,
moduliert von menschlicher Vernunft.
Zur rechten Zeit
Toni saß am Gartenteich,
da wurden seine Wangen bleich.
Er rief: Mizzi, mir wird schlecht!
Sie glaubte es nicht recht.
Ich komm gleich angeflogen,
hab ich den Braten aus dem Rohr gezogen.
Sie kam zu spät zum Ort,
seine Seele war schon fort.
Sie liebkoste ihn und weinte,
da kam der Tod und greinte:
Ihr Menschen liebet euch zur rechten Zeit,
nicht erst, wenn ihr dem Tod geweiht!
Wissen, denken, können, wollen
Machte er dir großen Spaß,
der Lehrsatz des Pythagoras:
a² + b² = c²?
Hast du ihn parat?
Er ließ 300 Rinder opfern,
deshalb zittern heut noch alle Ochserln.
Und wie ist es denn
mit K = c + v + m?
Das hat Karl Marx gesagt,
der Hunger hat ihn oft geplagt.
Er nannte kein Kapital sein eigen,
vom Mehrwert ganz zu schweigen.
Der große Albert Einstein
schenkte uns reinen Wein ein:
e = m×c².
War das eine Segenstat?
Das Atom zeigt seine Häme
und bereitet den Menschen Probleme.
Liegen zwei Verliebte im Schatten eines Baumes,
stört sie nicht die Krümmung des Raumes.
Pythagoras, Mehrwert und Kapital
ist ihnen ganz egal.
Wenn sie einander wollen,
lassen sie ihre Gefühle tollen.
Doch im Alltag müssen sie wissen und denken,
um ihre Geschicke erfolgreich zu lenken.
Kenntnis von Kunst und Wissenschaft
bedarf großer Willenskraft.
Erst wer will und kann
steht im Leben seinen Mann.
Die Wassergebühr
Eine Frage dieser Welt:
wie komme ich ans große Geld?
Ich weiß es schon,
mach eine Rechtskonstruktion.
Die lass ich vom Parlament beschließen
und mit seinem Glanz begießen.
Ich hab’s so eingericht’,
die Gebühr ist wasserdicht
bis in Kaisers Zeiten.
Mögen die Häusler darunter leiden!
Verjährungsfristen setz ich außer Kraft,
weil mir das Millionen schafft.
Lass die Eigentümer räsonieren,
ich kann sie munter abkassieren.
Ich, der große Gestalter,
fordere Zoll aus dem Mittelalter,
dann noch eine Luftgebühr.
Ich kann wirklich nichts dafür.
Wird das Geld zu Schall und Rauch,
so ist’s ein alter Brauch,
eine neue Steuer zu erfinden,
und irgendwie muss man sie auch begründen.
Brandenburger, wundert euch nicht,
auch die Wassergebühr ist Bürgerpflicht!
Das Zwiegespräch
Der Regen fällt,
ich denke nach über die Welt.
Wie lange wird sie bestehen
und wann untergehen?
Oh Herr, gib den Menschen eine lange Frist
wie dies paläozoisch üblich ist!
Lass sie sich ihrer Frevel besinnen,
sonst müssen sie von hinnen.
Du ließest die Saurier sterben
und die Säuger erben.
Daraus ging der Mensch hervor
und klopft nun an des Himmels Tor.
Oh Mensch, das hab ich nicht getan.
Schau dir die Naturgesetze an!
Die lass ich dein Wohl und Weh bestimmen.
Ihnen kannst du nicht entrinnen.
Ich verlieh dir den Verstand.
Damit hast du sie erkannt.
Du musst nun noch mit deinesgleichen
gleichen Klang erreichen.
Nur wenn ihr in Eintracht lebt
und euch täglich Mühe gebt,
die Natur zu schonen,
könnt ihr in Äonen auf der Erde wohnen.
Der Südstern
Der Stern des Südens ist untergegangen.
Ach hätt ich ihn doch eingefangen!
Des Sommers Schwüle
wich des Herbstes Kühle.
Das strahlende Sternenlicht
mit gelblichem Gesicht
würde die Winternacht erhellen
und ließe meine Gedanken quellen.
Das Gefühl, von einem fremden Stern gewärmt zu werden,
existiert noch nicht auf Erden.
Ist’s himmlisch-melodisch
oder teuflisch-chaotisch?
Warte nur ein halbes Jahr!
Du siehst ihn wieder, wunderbar,
den Stern des Südens, täglich.
Die Schiefe der Ekliptik macht es möglich.
Bitte Kälte
Eisiger Nordwind fegt über Meer und Land,
Eis und Schnee bedecken den Strand.
Bittere Kälte dringt in mein Herz,
stechender Schmerz!
Ich eile in mein Heim zurück,
wärmendes Glück!
Wer grimmige Kälte nicht erduldet,
weiß nicht, was er wohliger Wärme schuldet.
Das Idyll
Ich sitz auf einem Pappelstamm,
der durch den Sturm zu liegen kam.
Seine Kräfte gehen zur Neige,
doch durch die Rinde sprießen grüne Zweige.
Hinter der gestürzten Pappel
emsiges Gezappel,
munter murmelt ein Bächelein,
daraus trinken die Vögelein.
Seh es jeder, wie er will:
ein quellendes Idyll,
von großem Wert für die Natur,
Mensch und Kreatur.
Lasst den hohlen Stamm da liegen,
Heimstatt der Käfer, Würmer, Fliegen,
bändigt euren Ordnungsdrang
zulieb von Summen, Murmeln und Gesang!
Die Stadt am Meer
Du sitzt hoch über der Stadt
und siehst, welch prächtige Bauten sie hat,
die Türme und Kirchen, die Zinnen der Burgen und Schlösser,
die Denkmäler, Adler und Rösser.
Du staunst, welch Maß der Mensch der Natur überließ:
die Parks, Flüsse, Seen und manches Fließ,
in der Ferne das gleißende Meer.
Die Kontraste berühren dich sehr.
Willst du wissen, ob die Menschen da unten glücklich sind,
schau in ihre Gesichter geschwind!
Ihr strahlender Schein
nimmt dich ein.
Freies Denken
Der Frühling fasziniert mich mit seinem Glanz,
erfasst meine Seele ganz.
Im Garten gelb, weiß, rosé – und blau,
wenn ich in den Himmel schau.
Das Wunder berührt mich sehr,
meine Gedanken reisen über das Meer,
als ob sie vom Winter losgelassen,
entflohen aus der Enge dunkler Gassen.
Ich fang sie wieder ein,
bette sie in helles Grün hinein.
Sie bewegen mich wie der Frühling die Natur:
Freies Denken – Wonne pur!
Der Zeitenwanderer
Du siehst das Werden und Vergehen
und sagst: Auf Wiedersehen!
Der Morgen gebiert neue Qualität,
drum schalte nicht zu spät!
Neues Wasser füllt die Elbe,
nur das Flussbett scheint dasselbe.
Mag dein Partner der gleiche sein,
stell neu dich auf ihn ein!
Achte auf den Fluss der Zeit,
sei stets zu Neuem bereit!
Du bist der Zeitenwanderer,
dein Partner morgen – ein anderer?

